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Uschi Glas: Karma, Kino und Klaus Kinski

Uschi Glas macht keiner etwas vor. Das war schon immer so. Seit ihrer Kindheit weiß sie genau was sie will. Und was nicht. Sich verbiegen lassen, um anderen zu gefallen, auf Teufel komm raus. Das Leben ist zu kurz, um sich mit den falschen Dingen zu beschäftigen. Gradlinig gewinnt.

 

Fröhliches Lächeln, die Augen strahlen, schlanke Figur und modisch gekleidet. Flashback. Genau so muss sie auch in den 60er- und 70er-Jahren geglänzt haben. Damals, als alles begann. Zur Sache, Schätzchen. Wie in einem ihrer ersten Filme. Ohne Warm up – einfach rein in das Interview. Uschi Glas ist Vollprofi. Eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die ohne Skandale durch die Jahrzehnte rauschen. Und dennoch immer präsent ist. Zunächst im Fernsehen mit den Straßenfegern nach den Romanen von Edgar Wallace und den “Winnetou”-Filmen. Dann mit den Pennäler Filmen Pepe, der Paukerschreck”. Später mit „Ein Schloss am Wörthersee“, „Zwei Münchner in Hamburg“, „Anna-Maria – eine Frau geht ihren Weg“ und vielen anderen Erfolgsproduktionen.

Uschi Glas und die deutsche Schauspielelite – mit den ganz Großen hat sie vor der Kamera gestanden. Curd Jürgens, Pierre Brice, Roy Black, Joachim Fuchsberger, Theo Lingen, Horst Tappert und wie sie alle heißen. Auch international war sie gefragt. Mit Jean Gabin und Gérard Depardieu drehte sie gemeinsam – einer der vielen Höhepunkte in ihrer Karriere.

Zurück zum Hier und dem Jetzt. Vor mir sitzt eine junggebliebene, moderne Frau. Apple Watch am Handgelenk, aber ein klares Nein zu facebook, instagram und Co.  Was ist der Grund für ihren Erfolg? Selbstbewusstsein, Fleiß, Talent und ganz viel Demut. Vor dem Leben, dass es seit 74 Jahren so gut mit ihr meint. Davon gibt sie seit vielen Jahren eine Menge zurück. Die dreifache Mutter engagiert sich in vielen Stiftungen ehrenamtlich. Besonders hängt ihr Herz an “Brotzeit” – ein von ihr gegründetes Projekt um Schulkinder mit dem zu versorgen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber nicht immer ist: ein Frühstück, um für den Tag gut gerüstet zu sein.

 

 

Sie kennt die Not. Gemeinsam mit drei Geschwistern wächst sie in Landau auf. Gut behütet, aber in einfachen Verhältnissen. Dort lernt sie schon früh fürs Leben. Und für sich selbst.

 

„Mein Vater sagte immer, nur wenn Du Dir abends im Spiegel ehrlich in die Augen schauen kannst, dann hast Du alles richtig gemacht.“

 

Eine Einstellung, die sie auch für den späteren Beruf prägt. Ob am Set, oder bei der Premiere auf dem roten Teppich – Uschi Glas behandelt alle gleich. Und will gleich behandelt werden.  Wo andere sich fügen und verbiegen umgibt sie eine Aura der Stärke. Me-Too Debatte? Dafür hat sie kein Verständnis. „Nach Jahrzehnten alte Geschichten aufzuwärmen halte ich für unglaubwürdig. Ich war wohl zu selbstbewusst, um mich jemals bedrängen zu lassen,“ blickt Glas zurück.  

So besetzt sie auch Rollen gegen den Willen ihres Managements und probiert neue Dinge aus. Weil sie es will. Auch zum Experimentieren.

„Es muss nicht immer die Hauptrolle sein“. Bei Fuck ju Göthe – dem größten deutschen Kinoerfolg der vergangenen Jahre glänzt Uschi Glas als schräge Lehrerin in einer Nebenrolle.

Uschi Glas ist „geradeaus“. Sie steht für das, was sie vor der Kamera spielt und gespielt hat. Das unterscheidet sie von vielen Kollegen, die mit ihren eigenen Rollen später gebrochen haben – warum auch immer.  

 

 

Uschi Glas verliert nicht oft die Fassung. Manchmal schon. Beim Geburtstag von Curd Jürgens hält Klaus Kinski die Laudatio und fällt wie gewohnt aus der Rolle. „Ein toller Schauspieler, aber auch ein kranker Mensch,“ so Glas. Kinski hat eine Aura, vor der auch Uschi Glas Respekt hat. Gutes Karma ist ihr wichtig und gibt ihr ein positives Gefühl. „Wenn ich weiß, dass der liebe Gott auf mich aufpasst dann ist das eine schöne Sache.“ Wenn Menschen dagegen negativ und nur von sich selber überzeugt sind, dann versucht sie diese zu meiden. Oder Ihnen klar die Meinung zu sagen. 

Ihre apple watch summt kurz. Uschi Glas schaut auf die Uhr. Der nächste Termin steht bereits an. Sie bleibt unaufgeregt und nimmt sich weiter Zeit für mich. Die Erfahrung des Alters. Und damit sie abends wieder mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen kann. Die Zeiten, in denen sie getrieben war sind längst vorbei. Verdienter Luxus einer abwechslungsreichen Karriere.     

 

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