Echte Kerle Menschen

Thomas Kupfer: Tattoos – gestochen scharf in Altona

Im Eingang des Tattoo Studios “Hamburg City Ink” ist weiß die dominierende Farbe. In den Räumen dahinter geht es bunter zu. In allen Farben werden hier Tattoos gestochen. Thomas Kupfer kennt sich auf beiden Seiten der Nadel aus. Als Tätowierer trägt auch sein ganzer Körper die verschiedensten Motive.

Die elfer Nadel sticht mir nur kurz in die Haut, der Schmerz ist aber unangenehm. “Das wird gleich weniger”, beruhigt Thomas. “Wenn sich das Adrenalin im Körper verteilt hat, lässt der Schmerz nach.” Thomas sehe ich heute zum ersten Mal. Mein Motiv Wunsch habe ich ihm vor sechs Wochen per mail geschickt. Den Entwurf habe ich erst heute bekommen. Vorab schickt er seine Zeichnungen niemals. Schlechte Erfahrungen. Idee geliefert, aber bei der Konkurrenz gestochen. Fiese Kunden gibt es überall. 

 

 

Die kommenden drei Stunden sind sehr persönlich. Das Treffen geht unter die Haut. Da sollte die Chemie stimmen. Als erstes fallen mir – natürlich – Thomas Tätowierungen auf. Über den ganze Körper verteilt, sogar auf seinem halb rasierten Schädel. Die Geschichte hinter einigen seiner Tattoos erfahre ich später. Frisur und Bart – Ahoi, Hanseaten Style. Finde ich cool. 

Dabei kommt Thomas gar nicht aus Hamburg. Franken als Heimat. Als es ihm in einem Kaff in der Nähe von Coburg zu eng und spießig wird, zieht es ihn hinaus. Weltreise. Reisen bis heute als Leidenschaft. Süd-Korea als Lieblingsland. Auch Skandinavien ist immer eine Reise wert. Hauptsache einfach mal raus. Mit Wohnmobil. Und seit neuestem mit Hund.

Wieder zieht die Nadel ihre schwarze Linie unter meine Haut. Vegane Farben. Kein Marketing Gag. Bewusste Entscheidung des Studios bei allen eingesetzten Materialien auf das Thema Vegan zu achten. Respekt dafür. Vorbei die Zeit miefig versüffter Hinterhof Studios. Hier in Hamburg Altona, zwischen Altbauten und kleinen Kaffees fühle ich mich gut aufgehoben.

 

 

Welche Motive sind angesagt? Es gibt Trends. Von Jahr zu Jahr verschieden. Zuletzt waren es Eulen. Über 1000 Tätowierungen hat Thomas in den letzten sechs Jahren gestochen. Sein ältester Kunde? Ein 81jähriger Mann, der sich den Namen seines verstorbenen Sohnes auf den Arm stechen liess. Tätowierungen sind gesellschaftsfähig. Das Alter nicht entscheidend.

“Gesichter meiner Kunden vergesse ich sofort. Tätowierungen erkenne ich auch nach vielen Jahren immer wieder. Die bleiben hängen. Jede einzelne”.

Fast meditativ setzt Thomas die Nadel an. Schwarz grüne Schattierungen. Traditionelle Motive. Das sind seine Mission. Als gelernter Mechatroniker ist der Beruf des Tätowierers für ihn keine Kunst, sondern Handwerk. Jeder Handgriff muss sitzen. Seinen Stil hat er sich selber beigebracht, den flow musste er lernen. Blackwork und Classic in Perfektion. Solide den Kundenwunsch abarbeiten. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Den Achtundzwanzigjährigen umgibt ein gutes Karma.

 

 

Bei seinem ersten eigenem Tattoo war Thomas nicht so kritisch. Der Name der Freundin. Ex-Freundin mittlerweile. Er steht immer noch auf seinem inneren Oberarm. Als kleiner Teil einer großen Tattoo Landschaft. Noch ist nicht jeder Quadratzentimeter auf seinem Körper ausgenutzt.

Sein neues Projekt: Einen Schriftzug über der rechten Augenbraue. Eine finnische Redensart. 

“Das Wichtigste für Tätowierungen ist immer die Haltbarkeit! Die erreicht man durch dicke stabile Linien, harte Schattierungen und viel Schwarz und Kontrast. Alles was Blackwork und Traditional auszeichnet und seit Jahrhunderten erprobt ist!”

Die Nadel hat ihre Arbeit beendet. Mein Tattoo muss nur noch ausbluten. 10 Minute. Dann ist es fertig für eine Foto Dokumentation. Thomas  Bild Archiv wächst fast täglich.

Leben und leben lassen. Menschen nicht nach ihrem Äußeren bewerten. So hat mir Thomas seine Welt erklärt. Und auch wenn er morgen auf der Straße nicht mehr mein Gesicht erkennt. Mein Tattoo wird mich ein Leben lang mit seiner Geschichte verbinden.

Ahoi Hamburg.

 

 

Thx for the great job: Hamburg City Ink

0 Kommentare zu “Thomas Kupfer: Tattoos – gestochen scharf in Altona

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.