Eiland reisen ganz nah

…nach Juist

Pferdeäpfel, Rosinenstollen und eine Kugel Eis. Juist ist anders und bleibt sich treu

Juist ist eine lange Insel. Mit endlos langen Tagen am Strand. Abwechslung Fehlanzeige – Ablenkung garantiert. Konzentration auf das Wesentliche. Wer das sucht der ist hier richtig.

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Ich gebe Juist eine faire Chance. Obwohl ich Norderney liebe, werde ich keine Vorurteile haben. Eine Woche Juist im Juli. Hochsommer an der Nordsee. Am Fähranleger in Norddeich fühle ich mich zunächst aber zweitklassig. Gruppen fröhlicher Menschen steigen auf die Frisia Fähren nach Norderney. Wir werden auf ein kleineres Schiff verwiesen. Das Publikum ist anders, keine Sekt trinkenden Blondinen oder Bierflaschen schwenkenden Kegelbrüder. Gesetzter und entspannter. Geschätzter Altersdurchnitt: Ü50. Eine Jugendgruppe senkt den Schnitt ein wenig.

Der erste Eindruck von Juist aber bedient mein Klischee. Pferde! Direkt am Hafen. Kaltblüter ziehen die Touristen auch an heißen Tagen wie diesen in ihren Kutschen durch die Straßen. Tagaus und Tagein. Selbst das Thema Elektromobilität wird von den Juistern von der Insel verbannt. Pferde sind das Transportmittel Nummer eins. Mit aller Konsequenz.

“Keine Straße und kein Weg ohne Pferdeäpfel.  In allen Farben und Formen. Bauernhof-Aroma auf Kopfsteinpflaster.”

 

 

Hat Juist eine Seele, ist diese aus Sand. 17 Kilometer langem und millionenfachem feinkörnigen Sandstrand. Hier an der Wasserkante bleibt die Zeit stehen. Nur am Verlauf der Sonne merke ich wie die Tage vergehen. Es gibt keinen anderen Ort auf der Insel der intensiver erscheint. 

Ich mache mich auf die Suche. Warum erweckt Juist bei vielen diesen Zauber? Töwerland – Zauberland.

Lange Spaziergänge und ein e-bike bringen mich an beide Inselenden. Zuerst nach Westen mit Blick auf Borkum. Hier liegt das Ausflugsziel Nummer Eins. Die Bill Domäne. Ein roter, biederer Backsteinbau, bekannt für seine frischen Rosinenstuten. Kein Scherz. Rosinenstollen irgendwo in den Dünen am Rande von Nirgendwo. Mit leichter Wehmut denke ich an die Milchbar auf Norderney.  

 

 

Nur einen Katzensprung weiter geht es auf die Bill. Surreale Mondlandschaft. Krater über Krater aus Sand. Einsame Segelboote liegen auf dem Trockenem und warten auf die nächste Flut. Oder die übernächste. Alles hat hier seine Zeit. Obwohl ich nie ganz alleine bin, bin ich doch immer für mich. Gemeinsam einsam. Wenn man mag. Juist ist nicht überfüllt wie ihre Schwester Insel. Mit allen Ressourcen wird hier sparsamer geplant. Auch mit Übernachtungsangeboten für die Touristen. Gut so.  

 

 

Gastronomische Trends und Food Style Moden machen um Juist einen großen Bogen. Statt bei Gosch trifft sich die die kleine Insel Schickeria bei Köber zum Sundowner. Sympathische Alternative. Überhaupt sind einige wenige Restaurants einen Besuch wert.

Die Küchenwerkstatt, das Café del mar und das Meeresleuchten können es locker mit der Konkurrenz auf den anderen ostfriesischen Inseln aufnehmen.

Nachdem ich meine neuen Lieblingslokale entdeckt habe, rundet eine Kugel Schokoladen Eis auf der Strandpromenade meine Abende ab. 

Selbst das Inselprogramm ist für Touristen entspannter als anderswo. Die Veranstaltungsplakate für Juli bieten Pilates und Yoga am Strand, eine Lesung in der örtlichen kleinen Buchhandlung und den Auftritt eines C-Promis im Hause des Kurgastes. Das war es. Feierabend. Für mich ausreichend. 

 

 

Über den traumhaften Sandstrand zieht es mich in den Osten von Juist. Bis zum Flugplatz der Insel und noch ein Stück weiter. Die Kulisse von Norderney am Horizont. Ich erahne die Silouhette der Milchbar. Es scheint, als ob Chill-Out Musik von Blank & Jones mein Ohr berührt. In den kommenden Tagen verschwindet meine Sehnsucht nach Norderney langsam.

Das iPhone ist schon lange im Flugmodus. Online Askese. Ich erwische mich beim Verweilen. Werde immer öfter zum stillen Beobachter. Langeweile kann so kurzweilig sein.

Das muss er sein. Der Zauber der Insel. Unaufgeregt und unaufdringlich hat er mich gefangen genommen. 

Meine Fähre wartet. Eine Kutsche bringt mich zum Hafen. Das monotone Hufgeklapper der beiden Pferde versüsst mir den Abschied. In Norddeich angekommen schaue ich etwas mitleidig auf die Fahrgäste nach Norderney. Wer braucht im Urlaub schon Hektik? 

 

2 Kommentare zu “…nach Juist

  1. Wir fahren schon jahrelang nach Juist.
    Uns hat der Zauber von Anfang an in den Bann gezogen. Wir mögen das Understatement der Insel.
    Keine Statussymbole auf vier Rädern, hier zählt nur der Moment des Lebens – das Sein, das Leben fühlen.
    Meiner Meinung nach spürt man das Leben nirgendwo intensiver als hier.
    Wer aber Angst davor hat, sein eigenes Leben zu spüren, der ist auf Norderney oder Sylt besser aufgehoben. Dort kann man sicher besser flanieren und das eigene Leben präsentieren statt spüren.
    Das macht den Zauber der Insel Juist aus.
    Ich glaube, irgendwas hast du das auch gespürt!

    • Sorry, for delay. Ja, jede ostfriesische Insel hat das spezielle etwas. Auch Juist! Aber ich fühl mich Meer 🙂 auf Norderney zu Hause.
      Liebe Grüße

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