Festland reisen ganz nah

…nach Husum

Wo ein ganzer Hafen ohne Wasser ist. Husum ist keine graue Stadt am Meer.

Husum ist viel mehr als nur ein kurzer Zwischenstop auf dem Weg nach Sylt oder Dänemark. Zwischen Krokusblüte und Küstennebel ist die Heimatstadt von Theodor Storm bunt und vital.

ICHMUSSTEMALRAUS Lies mal hier

img_7550

Husumer Hafentage. Einmal im Jahr ein friesisches Wochenende zwischen Fischständen und Bierbuden. Nirgendswo anders siehst du einen bunteren Haufen zusammengewürfelter Menschen. Alte Seebären, junge Touristen, Einheimische allen Alters – sie alle treffen sich im Herzen der Stadt. Am kleinen Hafen. Ostfriesennerze stoßen mit Lederkutten an, junge Gesichter unter Baseball Caps trinken mit derben Typen und Schlägermützen.

St. Pauli Flair mischt sich unter Spießbürgertum.

Vor der Silhouette festgemachter Krabbenkutter und kleiner Segelboote wird an diesem Abend auch Miss Nordfriesland gekürt. Plattdeutsches Gegröle feuert die Kandidatinnen an.

 

img_3313

Ich liebe Husum. Und Husum liebt mich. Keine Frage. Das war nicht immer so. Als Knirps auf dem Rücksitz im VW Käfer meiner Eltern von Hannover nach Husum. Zweimal im Jahr Verwandtenbesuch statt bei meinen Freunden zu Hause. Krabben pulen statt Bolzplatz Kicken. Kinderalbtraum.

Fakten: Wer Hafenflair mag, wird auf Husum stehen. Ebbe und Flut spülen sich bis tief in das Herz der City. Während die Flut das braune Wasser hoch an die Hafenmauer drückt, lässt die Ebbe die wenigen Schiffe hilflos auf den sandigen Schlick sinken. Bei Wind wabert manchmal morastiger Geruch über die Stadt. Direkt neben dem besten Kaufhaus des Nordens, CJ Schmidt, findest du kleine Gassen mit noch kleineren Geschäften.

Mich zieht es zu Tante Jenny, einer Hafenkneipe. Hier haben sich meine Eltern kennengelernt was den Gastwirt nicht interessiert. Macht nichts. Das Tante Jenny “Sternen Frühstück” plus 56% Friesengeist sind es trotzdem wert. Die helle Soße zu den Kroketten aber viel zu fettig.

Zu den Krokusblüte am alten Gymnasium, der Marktplatz mit Tine Brunnen, oder ein Spaziergang am Deich zum Freibad ohne Wasser. Ich geniesse die Momente, die Husum mir macht. Das Bad ist eine alte Bausünde der Stadt. Zu nah am Meer gebaut, regelmäßig überflutet und seit Jahrzehnten außer Betrieb. Schildbürgerstreich des Nordens.

Hafen ohne Wasser, Freibad unter Wasser – in Husum bestimmt alleine das Meer den Lauf der Dinge.

img_5802

Ein Ausflug vor die Tore Husums lohnt sich. Das kleine Schobüll besitzt die schönste Dorfkirche des Nordens. Vom gegenüberliegendem Steg aus sieht man das nahe Nordstrand.

Weite pure Deichlandschaft, nirgendswo anders ist der echte Norden.

img_0036

Back in Husum. Die Hafentage sind vorbei. Leere Bierbecher und zertretene Pappen erinnern an die gestrige Nacht. Die Buden abgebaut suchen schreiende Möwen die besten Reste. Ich bin noch nicht in Stimmung für einen Abschied und will noch einen Tag bleiben.

Ich fahre ins nahe Tönning. Die Seele baumeln lassen. Tönnig ist gut für kleine Fluchten und gegen schlechtes Karma. Am Hafen lässt es sich gut und teuer essen. Von der nahen Eider dringt Mövengekreisch an mein Ohr. Das Gefühl unbeschwerter Kindheit und heißer Sommertage schleicht sich zurück in meine Erinnerung.

Kurz auf den Deich und ein Blick auf das Freibad – Herrlich.

img_0847

Das  Hotel Lundenbergsand ist mein Ziel. Reetgedeckte Oase vor den Toren der Stadt. Hund Elli ist nicht erwünscht. Erst am kommenden Morgen breche ich auf in Richtung Hannover. Die Landschaft zieht langsam an mir vorbei. Als ich die Eider überquere lasse ich meine alte Liebe endgültig hinter mir.

Während die letzten Schafe langsam im Rückspiegel verschwinden ist mein Sohn auf dem Rücksitz eingeschlafen.