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Mr. Survival Rüdiger Nehberg: Von Torten, Beduinen und Zyankali

Wenn irgendjemand neun Leben verdient hätte, dann Rüdiger Nehberg. Obwohl der 82-jährige schon die ganze Welt bereist hat, gibt es noch viele Abenteuer und Projekte, die auf ihn warten. Weil die Zeit rennt und auch Nehberg nur ein Leben hat, macht er das, was ihm wirklich wichtig ist. Mit Energie und aus voller Überzeugung.

 

Sein Klaps auf meinen Unterarm schmerzt. Immer wieder gestikuliert Rüdiger Nehberg und untermalt damit seine Geschichten. Seine Abenteuer tauchen vor meinem geistigen Auge auf und ich versinke in fernen Wüsten und fremden Urwäldern. Die Power und Präsenz von Nehberg sind beeindruckend. Sein Körper durchtrainiert und dynamisch. Trotz seines Alters verlässt sich der Wahl-Hamburger nur auf sich selbst. Packt an, wo und wann es sein muss. Damit ist alles immer gut gegangen. Obwohl so viel hätte schief gehen können. Zum Beispiel auf seiner Reise über den blauen Nil im Jahr 1975, als sein Kameramann von Einheimischen erschossen wurde. Oder zwölf Jahre später, alleine mit einem Tretboot über den Atlantik. Abenteuerlich auch sein Überlebenskampf im brasilianischen Regenwald im Jahr 2003. Abgeseilt von einem Hubschrauber, alleine und fast ohne Ausrüstung.

Die Erlebnisse sprudeln wie auf Knopfdruck aus ihm heraus. Seine Augen funkeln und er berichtet von Purzelbäumen vor den Augen von drei Yanomani Indianern in Brasilien. Von Kuchen und Torten, die der ehemalige Promi-Bäcker an den entlegensten Stellen und unter irrwitzigen Umständen gebacken hat. Mit Formen aus Autofelgen und Zutaten aus Insektenmehl. Von giftigen Pfeilen und bösen Begegnungen. Und von der Rettung eingesunkener Kamele in der Danakil-Wüste auf seiner Reise durch Nordafrika. Diese Geschichten sind aufregend. Aber sie sind nicht seine wahre Bestimmung.

 

 

Sein nächster Klaps trifft mich. Dieses mal am Oberarm.

Alles begann viel kleiner. Als Dreijähriger und auf seiner ersten Expedition ohne Wissen der Eltern. Acht Stunden auf dem Weg zu seiner Oma ganz am Rande der Stadt. Später mit dem Fahrrad um die halbe Welt. Aus dem Abenteuerleben wurde das Projekt Überleben. Sein Image als Insektenesser und Survival-König hat er auch noch heute. Sich von einer Python Schlange würgen lassen, oder Wildschweine mit der bloßen Hand erlegen. So kennen ihn die meisten. Das ist schade, denn Rüdiger Nehberg kann viel mehr. Und will mehr.

Neben seinem Engagement zur Rettung des brasilianischen Regenwaldes und seinem Kampf für die Rechte der Yanomami Indianer gibt es noch die eine Sache, die Nehberg zu Ende bringen will. Mit seiner Organisation “Target” setzt er sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung ein. Täglich sind es etwa 8.000 Mädchen, vor allem in den islamischen Gebieten Nordafrikas, die diese Gewalt erleben müssen. Weltweit leiden sogar 150 Millionen Mädchen und Frauen. Diese Mission scheint fast unmöglich. Religiöse Verblendungen, politische Verstrickungen, oder persönliche Eitelkeiten versperren ihm den Weg.

Keine Hindernisse für Nehberg. Er denkt konsequent, ohne Umwege ans Ziel. Er organisiert eine Gelehrtenkonferenz in Kairo. Mit großem Erfolg. Sogar der Großmufti von Ägypten unterzeichnet einen Appell gegen die Verstümmelung. Ein erster Schritt, mehr aber noch nicht.

„Erst wenn die Genitalverstümmelung in Mekka als Verbrechen verkündet wird, dann bin ich zufrieden.”

Kommunikation und emotionale Intelligenz helfen da weiter. Ob König oder Bauer, Indianer oder Nomade – sein Gespür für die Menschen und ihre Kulturen sind seine Begleiter. Überall auf der Welt. Um sein Vorhaben erfolgreich zu beenden, erhofft er sich prominente und wichtige Unterstützung. Beim Kronprinzen und beim König von Saudi-Arabien hat er vorgefühlt. Sein Terminwunsch wurde bislang noch nicht bestätigt. Kein Grund zum Verzweifeln. Auch bei Papst Paulus musste er damals warten, um dann doch mit dem Heiligen Vater persönlich sprechen zu können.

Rüdiger Nehberg will das Projekt zu Lebzeiten erfolgreich zu Ende bringen. Bis dahin wird er weiter umtriebig und aktiv aufklären. Immer unterwegs, wie ein Beduine. So fühlt er sich und das ist das eine Leben, an dem Rüdiger Nehberg so hängt. Und wenn es einmal zu Ende gehen soll, dann mit aller Konsequenz. Direkter Blick auf die Wahrheit. Meine Frage ob es stimme, dass er sich für den Fall pflegebedürftig zu werden, oder auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, eine Zyankalikapsel besorgt habe, beantwortet der 82jährige ohne zögern. „Ich habe eine Pistole und ein Schrotgewehr, das sollte reichen.“

Dieses mal trifft mich sein deftiger Klopfer an der Schulter und wir beenden das Gespräch.

 

Mr. Surviver Rüdiger Rehberg
Brothers in arms

 

 

www.target-nehberg.de

pics by Markus Lindert

 

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