Echte Kerle Menschen

Johannes Huwe: Die Suche nach dem perfekten Moment

Johannes Huwe ist Agenturchef und Fotograf aus Hannover. Seine Reisen sind spektakulär. Seine Bilder weltbekannt.

Er lässt sich Zeit mit seinen Antworten. Und mit seinen Ansichten. Erst im Laufe des Gespräches ergibt sich ein schärferes Bild. Genau wie bei seiner Leidenschaft, dem Fotografieren. Negative müssen erst entwickelt werden. Kleine Nuancen beeinflussen. Später sieht man das Ergebnis und bekommt Einblicke. Eine seltene Kunst in digitalen Zeiten. Johannes Huwe kann das.

Auf den ersten Blick erkennt man nicht, dass Johannes Huwe Grenzgänger ist. In verschiedenen Welten lebt. Der analogen, der digitalen und seiner eigenen. Hipsterlook und langer Bart. Eine alte Rolex am Handgelenk. Zeit ist Luxus und hat für ihn eine vielfache Bedeutung. Konzentration auf das Hier und Jetzt. Kein Smartphone liegt auf dem Tisch, kein iPad griffbereit. Ungewöhnlich für einen Geschäftsführer, der eine erfolgreiche Digitalagentur leitet.

 

 

Transformation als eines der Zauberworte für den studierten Informatiker. Umwandlung von Unternehmensprozessen in digitale Strukturen. Denken in Bits und Bytes, in Analysen und Applikationen. Die Gesellschaft befindet sich im digitalen Umbruch. Für Huwe und seine 35 Mitarbeiter täglich abgeforderte Komplexität. Wie gelingt da der Ausgleich?

Auf der Suche nach Momenten für die Ewigkeit! Seit 16 Jahren Profession Fotografie. Lieblingskameras sind eine Leica MP und eine Hasselblad. Manchmal ist auch eine Canon AE1 im Einsatz. Analoge Technik mit robuster Mechanik. Zuverlässig und präzise in allen Situationen. Verlässlichkeit ist wichtig bei seinen Adventure Trips. Die sind oft einsam und extrem. Da, wo Motive sich nur widerspenstig einfangen lassen und die Natur  sich nicht an Regieanweisungen hält. Das Ergebnis ist beeindruckend: Surreale Abbilder mit dokumentarischer Genauigkeit, eingefangen meistens durch ein 35mm-Objektiv. 

 

 

Johannes Huwe ist ein Entdecker. Vor Ort in Hannover, in der Region oder weltweit. Perspektivwechsel. Durch verschiedene Objektive schauen. Pure Elemente spüren. Auf dem Wasser mit dem Stand up board, oder auf unbefestigten Wegen mit seinem umgebauten  “Defender”. Immer am Rande des Machbaren, auf der Suche nach Formen und Farben, nach Menschen und Möglichkeiten. Neue Dinge finden mit dem Gespür für den richtigen Augenblick. Wie vor ein paar Jahren.

Flag Girl – Ein Moment für die Ewigkeit

2015. In Wildwood in den USA scheint die Uhr still zu stehen. Throwback into the Fifties. Der Spirit von Rock´n Roll erfüllt den Ort, der Geruch von Benzin und Burgern wabert durch die Straßen. Zeit für “the race of Gentlemen”. Chromglänzende  Oldtimer aus den frühen Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Typen mit Ecken und Kanten und Tattoos auf der Haut. Profil statt Mainstream. Inspiration am Atlantikstrand.

 

 

Hier wird der 49-Jährige später den perfekten Moment einfangen. Den Sprung des “Flag Girls”, der Starterin des Rennens. In ihrem knappen Overall, die schwarz-weiße Fahne schwenkend, springt sie hoch und gibt das Rennen frei. Johannes Huwe erwischt den absoluten Augenblick, er hat die beste Perspektive.

Das Foto: Verführerische Lebensfreude inmitten protzender Boliden, eingefangen in einer tausendstel Sekunde. Immer wieder ist es dieses Bild wert betrachtet zu werden. Das fällt auch bekannten Unternehmen auf. Mittlerweile werben u.a. auch Burger King und Amtrak mit den Lifestylemotiven des Hannoveraners für ihre Produkte.  

Seine Leidenschaft hat Huwe gefunden, seine Erfüllung noch nicht. Die Suche geht weiter. Sein persönliches Lieblingsbild – ein “all time high picture”- hat er nicht geschossen. Noch nicht. Immer weiter. Das Leben ist noch nicht ausgereizt.

Flashback Island

“It was time to take another winter road trip. The weather on Iceland is definitely not something you want to play around with: in winter 2015/2016 alone, there were 42 storms, some with winds as fast as 155 mph! Although we were travelling in the waning days of winter in March, we ran into a few heavy snow storms.” 

Die Nächte in Island sind kalt und lang. Abseits der befestigten Straßen beginnt hier das wirkliche Leben. Wochenlange Planungen im Vorfeld. Der Seljalandsfoss-Wasserfall ist nur eine von vielen Stationen. Die richtige Off Road-Ausrüstung entscheidet über Erfolg oder ein Scheitern der Reise. Die Landschaft ist zerrissen. Heiße Geysire streiten sich mit kalten Eisbergen über die Vorherrschaft auf der Insel. Huwe ist auf der Suche nach Polarlichtern. Island unterstreicht seine Einstellung zum Leben. Da geht immer noch mehr. 

 

Das Projekt “Edge of Space”

Sein neues Projekt: Orte und Dinge ablichten, die der Schwerkraft entfliehen. Die Erde ist keine Scheibe. Auf der Suche nach Motiven, die das Ganze im Blick haben und darüber hinaus.  

Ab hier beginnt die Reise ins Extreme. Grenzerfahrung für Huwe ist ein Flug mit einem russischen Mig 29 Jet in die Stratosphäre.

An der Kante zum Weltall bist Du Einsam. Über Dir die dunklen Farben der Unendlichkeit, unter Dir dieses wunderschöne Blau. Die Krümmung der Erde gibt Dir Weitsicht. Du weißt nicht was Dich wahnsinniger macht. Die herrlichen Farben, oder der unerträgliche Schub und die G-Kraft der Mig 19″.

Für diesen Flug macht Johannes Huwe eine seltene Ausnahme. An Bord des Düsenjets nimmt er auch eine Digitalkamera. Hier oben soll nichts dem Zufall überlassen werden. Vielleicht passiert er ja genau hier.

Der perfekt Moment.

 

 

 

 

 

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