Perspektiven

Männermode Handtasche – Jetzt kannst Du einpacken!

Zwischen Flüchtlingskrise und AFD Debatte hat auch sie in Deutschland Asyl bekommen. Als wäre Sie nie aus der Mode gewesen hängt sie nun wieder über Schultern und Bäuchen, oder viel zu kurz gebunden unter schwitzenden Männerachseln. Straßenmob oder Stilikone – Männertaschen in allen Farben und Formen sind groß in Mode. Warum eigentlich?

 

Praktisch und vielfältig. Eigentlich weiß ich jetzt schon nicht mehr, wie mein Leben ohne sie funktioniert hat. Seitdem ich meine kleine Schultertasche habe, ist mein Leben viel geordneter. Aufgeräumter und irgendwie auch bunter. Und ich habe gleich drei Taschen zur Auswahl. Während ich meine Nike Camouflage Schultertasche meistens nur in der Freizeit trage, kommt die schwarze Joop Gürteltasche an Wochentagen zum Einsatz. Abwechselnd mit meinem braunen Hilfiger Handgelenkstäschchen. Das ist stimmungsabhängig. Immer wichtig: Ton in Ton zu meinem sonstigen Outfit. Camouflage zum Oberhemd finde ich zu gewagt, braunes Leder zu Chucks und Jeans ist mir persönlich zu spießig.

Meine drei neuen Begleiter geben mir ein gutes Gefühl. Ich bin nicht alleine. Auf der Straße kommen mir immer häufiger Männertaschen entgegen.

Sie hängen an Hipstern und baumeln an Bänkern. Jugendgangs tragen sie ebenso gechillt wie der rechte Mob auf ostdeutschen Straßen.  

Und so grüßt man sich durch alle Gesellschaftsschichten und schaut und vergleicht. Hin und wieder ein anerkennendes Nicken, nur selten eine abschätzende Bemerkung. So sehr hat die Mode uns Männer noch nie vereint.

Funktion folgt Fashion. Nachdem ich die ersten Tage die Taschen noch leer ausgeführt habe, ist es nun umgekehrt. In ihrem Inneren finden sich jetzt Iphone 8Plus, Schlüssel und Proteinriegel wieder. Und täglich wird es immer mehr. Portemonnaie, Bücher, Parfum – sogar meine DJI Air Drohne hat sich zwischenzeitlich dort einquartiert. Auch meine Frau geniesst meine neuen Kulturgüter. Während sie ihre Tasche immer öfter zu Hause lassen kann, packt sie ihren Inhalt gerne bei mir dazu. So gesellen sich nun also auch Handcreme, Lesebrille und Stützstrümpfe mit in meine mobile Männerwelt. 

Was habe ich am Anfang über die neue Mode noch gelacht. Wenn mir Kinder, Jugendliche und Männer allen Alters mit diesem Detleftäschchen entgegenkamen. Dabei hat das Modestück ja durchaus Tradition. Das Waschbeuteldesign in Gucci- oder Pradalook trugen schon Stilikonen wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer oder Robert Redford. Erst in den Achtzigern wurde das Accessoire dann politisch unkorrekt, und Schlüssel und Co. verschwanden seitdem wieder in ausgebeulten Hosentaschen.

Nur manchmal verliere auch ich die Fassung. Wenn Bauchtaschen bis direkt unter das Kinn rutschen und dicke Kugelbäuche und Miniaturtaschen im krassen Missverhältnis stehen – wird auch mir das modemäßig zu fett.

Ich ertrage das alles mit Geduld. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern. Und spätestens dann werde ich meine schönen Dinge wieder bei meiner Frau in den Beutel stecken.

 

 

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