reisen ganz far Südafrika

Das wildeste Tier Süd-Afrikas? Hüte Dich vor dem Papiertiger!

An alle Vater-und-Kind Urlauber. Eine Reise nach Südafrika ist kein Zuckerschlecken. Besonders bitter ist es, wenn Dir für den Flug ein klitzekleiner Stempel fehlt. Der muss bestätigen, dass es Deine Frau Dir erlaubt, alleine mit dem Nachwuchs an Bord zu gehen. 

Ein paar Tage nach meiner Einreise in Kapstadt kann ich fast schon wieder lachen. Aber ab und zu kriecht die Ohnmacht noch leise in mir hoch. Nachts wache ich schweißgebadet auf. Alpträume von Monsterreisepässen und als Zombies verkleidetes Boden Personal des Air France Schalters reißen mich aus meinem Schlaf. Dabei hatte alles so harmlos begonnen.

HAJ-CDG-CPT. Lange geplante Vater und Sohn Tour. Zugegeben, die Impfung meines Sohnes und den internationalen Führerschein organisierte ich erst auf den letzten Drücker. Nervig auch, dass man südafrikanische Rand nicht mehr in jeder Sparkasse bekommt. Die speziellen Stromadapter bekam ich noch im Travelstore am Airport. Als I-Tüpfelchen meiner Reiseplanung hatte ich sogar eine internationale beglaubigte Geburtsurkunde besorgt.

Take off. HAJ Abflug um 7 Uhr. Eigentlich. Der Winterdienst und ein schweigender HOP- Pilot hätten mir schon eine erste Warnung sein können, was da noch so alles auf uns zu kommt. Eine Stunde Verspätung beim Abflug Richtung Paris. Die ohnehin schon knappe Umsteigezeit verkürzte sich um überlenswichtige Minuten. Zu allem Überfluss saßen wir gefühlt in der letzten Reihe. Für den Ausstieg erneut ein Delay Desaster.

Charles de Gaulle – Synonym eines zu Beton gewordenen Airport Alptraums. Die Sprach-Ignoranz der Franzosen allgegenwärtig. Von Terminal G im Sprint zum Shuttle und ab ins Terminal T2. Erneuter Sprint und erstaunlicher Weise Punktlandung am Port 34 der Air France. Das Spektakel nimmt seinen Lauf. Per Lautsprecher werde ich zum Security Schalter an der Fluggastbrücke gerufen. Ein Farbiger in Uniform verlangt unsere Reisepässe und die Geburtsrurkunde meines Sohnes. Voila – pas de problem. Erst als er mich kaugummikauend fragt, wo die anderen Dokumente seien, befällt mich eine leichte Unruhe.

Das Bording hat begonnen. Seine Forderung: Eine von der Südafrikanischen Botschaft beglaubigte Bestätigung, das mein Sohn ohne seine Mutter ausreisen darf. Er hätte mich ebenso nach einem Original Autogramm vom Yeti fragen können. Das man kleine schwarze Babys aus Afrika in den reichen Westen entführt. Ok. Kann ich mir vorstellen. Aber warum sollte ich meinen bleichen, fast pubertierenden Sohn in den Krüger National Park verschleppen wollen?

Meine Gedanken rotieren. Einige Passagiere schauen mich mitleidig an. Boarding completed. Hektisch diktiere ich meiner Frau einen Text durchs Telefon, den ich Minuten später inklusive Fotos Ihres Passes per WhatsApp erhalten soll. Leider hat mein Handy keinen Internet Empfang. Telekom Tarif und mieses WLAN der Franzosen sei Dank. Der schwarze Mann verzieht keine Mine. Die Flugzeugtür hat sich bereits geschlossen. Wie im Wahn rufe ich dem Bodenpersonal zu, dass die Maschine ohne mich gar nicht starten könne, weil mein Gepäck noch an Bord sei. Gelangweilte Retourkutsche des Securtity Diktators: Mein Gepäck ist längst ausgeladen.

Pling! Eine WhatsApp leucht im Iphonedisplay meines Sohnes. Ich halte meinem Ausreise-Gott die Einverständniserklärung triumphierend entgegen. Ebenso triumphal schüttelt er den Kopf und sagt, dies sei formell zu wenig und er müsse jetzt weg.

Push-Back. Die Maschine verlässt die Parkposition und ich verliere meine Fassung. Leider versteht der zuständige Air France Mitarbeiter mein englischen Schimpftiraden nicht. Minuten später ist der Bording Counter geschlossen und mein Sohn und ich stehen alleine im fast menschenleeren Terminal.

Die Uhr tickt weiter. Was tun? Reise abbrechen? Neuer Flug mit welchen Dokumenten? Die Meinungen gehen weit auseinander. Die Air France Damen im Sicherheitsbereich glauben, ich dürfte diesen Bereich nicht verlassen. Die Empfehlung der KLM Kolleginnen meinen das Gegenteil: Durch die Immigration zurück ins normale Leben. 

Zwischenlandung. Ich sondiere meine Möglichkeiten und lege los. Wie im Fieberwahn telefoniere ich mehrfach mit der südafrikanischen Botschaft in Berlin. Ich schicke meine Frau zu einem Notar und buche erneut einen Flug für den nächsten Morgen. Die Frage nach der Übernachtung ist auch geklärt. Bei meiner Schwester am Rande der Normandie, 110 Kilometer von Le Havre entfernt. Flughafen Bus nach Paris, dann mit dem Zug nach Dreux und noch etwas weiter. Dort drucke ich spät abends die notariell beglaubigte Einverständniserklärung aus und genehmige mir vier kurze Stunden unruhigen Schlaf.

In den frühen Morgenstunden erneut zum Airport Charles de Gaulle. Diesesmal läuft alles nach Plan. Obwohl Monsieur Mäkelig erneut beim Boarding die Kontrolle hat, lässt er uns an Bord. Allerdings erst, nachdem er betont lässig einen fingernagelkleines Klebebild mit dem Vermerk “secur” auf die Bordkarte geklebt hat.

Zum Glück habe ich meine Economie Tickets upgegradet. Zum Unglück fliege ich mit Air France. Da fällt ein Upgrade überhaupt nicht auf. 12 Stunden später hat der Wahnsinn ein Ende. Fast. Nach einer halben Stunde Anstehen bei der Passkontrolle schaut mich eine finster blickende Farbige Security Lady an und dann in meine Papiere. Sie vermisst einen Stempel der südafrikanischen Botschaft.

Diverse Telefonate später, ein intensives Interview zwischen mir, dem Sicherheitsverantwortlichen der Einreise und einem hinzugeeilten Air France Mitarbeiter die Lösung. Einreise bewilligt. Der Urlaub kann beginnen. 

Am Kap der guten Hoffnung fehlt mir dazu fast der Glaube..

Nachtrag. Zehn Tage später. Aufgrund eines Streiks bei der Air France mussten wir unseren Urlaub um einen Tag verkürzen. Das Leben ist nicht fair. Air France auch nicht.

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